„Die Königlichen“ vs. „la bestia negra“

Die Bayern fingen gut an, sie kauften den Madrilenen in den ersten 10 Spielminuten sogar ein wenig den Schneid ab. Denn Real stand tief in der eigenen Hälfte. Benzema als Stoßstürmer  begann erst wenige Meter vor dem Mittelkreis, die Innenverteidiger Boateng und Dante unter Druck zu setzen bzw. sie anzulaufen. Die Bayern zogen ihr gewohntes Spiel auf. Lahm ließ sich zwischen die Innenverteidiger fallen, bediente dann des Öfteren Kroos oder Schweinsteiger, die sich abwechselnd in den Halbräumen zwischen Real´s rechtem Mittelfeldspieler Di Maria und den zwei zentralen Sechsern Modric und Alonso die Bälle forderten. Ancelotti stellte Isco als linken Mittelfeldspieler auf. Seine primäre Aufgabe war aber Robben aus dem Spiel zu nehmen. Dies funktionierte weitestgehend, da Isco mit seinem Hintermann Coentrao immer wieder doppelte. Sogar Alonso verließ das Zentrum um die gefürchteten Dribblingläufe des Holländers in die Mitte zu verhindern. Cristiano Ronaldo sollte bei gegnerischem Ballbesitz das Zentrum unterstützen. Also ließ er sich hinter Benzema fallen und versuchte Schweinsteiger oder Lahm unter Druck zu setzen. Trotzdem hatten die Bayern im Zentrum oft  Überzahlspiel, was Modric dazu veranlasste, die Position vor der eigenen  Abwehrkette zu verlassen und vor allem Kroos oder Lahm früher unter Druck zu setzen. Bei Ballgewinn allerdings zog es CR7 wie gewohnt auf die linke Außenbahn um seine Geschwindigkeit auszuspielen.

Als Di Maria  ins agressive Pressing gegenüber seinem Gegenspieler Alaba überging, doch seine Mitspieler bei den folgenden Kombinationen reihenweise zu spät kamen, wurde Bayern das erste Mal gefährlich. Alaba dribbelte nach Doppelpass mit Ribery bis zum gegnerischen Sechzehner,dort suchte er durch eine Flanke vom Halbraum  Mandzukic. Diese Aktion bewirkte, dass Real sich tiefer in die eigene Hälfte fallen lies. Lehrbuchmäßig wurde von den Bayern das Gegenpressing bei Ballverlust ausgeführt. Pepe war nach wenig gespielten Minuten der Leidtragende, als er von vier Bayern-Spielern umzingelt war, und sich nicht mal mehr mit einer Schwalbe helfen konnte. Durch dieses schnelle und agressive  Gegenpressing konnten die Bayern die gefürchteten Konter Real´s verhindern. Madrid konnte nur selten den Ball in den eigenen Reihen halten, bei Querschlägern von Ramos oder Bällen ins Seitenaus von Pepe merkte man den „Königlichen“ die Nervosität an.

Nach dieser starken Anfangsphase der „Roten“, denen nur die letzten zwingenden Aktionen im Strafraum fehlten, bemerkte man die Klasse eines Luka Modric und seines Partners auf der Sechserposition Alonso. Trotz agressivem  Forechecking der Bayern behielten diese die Ruhe am Ball und schafften es vermehrt Ronaldo, der in den Halbräumen zwischen Mittelfeld und Abwehr der Bayern sich positionierte, oder Di Maria auf dem linken Flügel anzuspielen.

Nach dem 1:0 für Real wurden die Madrilenen gefährlicher. Sie kamen somit ihrem Ruf „der besten Kontermannschaft der Welt“ nach. Durch vertikale Pässe konnten Modric und Alonso ihre schnellen Spieler wie Ronaldo oder Benzema bedienen. Bei Ballbesitz der Bayern lies sich Real immer noch tiefer in die eigene Hälfte fallen, wodurch Parallelen zu den beiden Viertelfinalspielen gegen Manchester United gezogen werden konnten.

Die Anfangsphase der zweiten Hälfte gehörte Real, die die Bayern früh unter Druck setzten und zu Fehlern zwangen. Außerdem gelang es Madrid  den Ball mehr in den eigenen Reihen zu halten. Bayern schaffte es nicht mehr so häufig wie in der ersten Halbzeit, Real frühzeitig zu pressen.

In der Schlussphase dominierten dann die Schützlinge Guardiolas das Spiel. Doch sie kreierten außer der von Götze in der 84. Minute keine klaren Torchancen.

Meiner Meinung fehlte dem FC Bayern im Offensivspiel die Kreativität und das Tempo. Dieses Spiel verdeutlichte, dass wenn die Außenspieler wie Robben und Ribery nicht funktionieren bzw. vom Gegner aus dem Spiel genommen worden, fehlt den Bayern der Plan B. Es fehlt ein 10er, der im Zentrum anspielbar ist,  Überzahl herstellt und Gegenspieler bindet, wodurch die Außenspieler besser zur Geltung kommen. Und auch der Strafraum ist zu selten besetzt. Mandzukic weicht für meine Begriffe zu oft auf die Flügel aus.

Ich bin mir sicher, Pep Guardiola wird eine Menge grübeln, wie er dieses Real knacken kann.

Mit sportlichen Grüßen

Max

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